9 Jahre Entwicklung Haus - lasst die Kinder einfach malen: ein Beispiel

2006/07, als ich meine Ausbildung zur Malort-Leiterin begann, war meine Tochter 4 Jahre alt. Nach ihrer Girouli-Phase und den ersten Grundzeichen malte sie damals vor allem eins: unser Haus. Ich lernte damals gerade alles: den Code der Erstzeichen und die Raumentwicklung beim Kind. Somit sammelte ich ihre Bilder und schrieb das Datum auf die Rückseite. Das Haus bestand aus einem Dreieck. Immer und immer wieder über Jahre. Etwas anderes interessierte sie nicht wirklich, mal kamen wir als Familie dazu, mal die zwei Katzen, mal die Oma. Es bekam Stockwerke, Treppen und Türen. Dann setzte sie dem dreieckigen Haus noch ein dreieckiges Dach auf. In einem Urlaub in der Schweiz klappte sie die Dreiecks-Wände nach außen und sie hatte ein schiefes Viereck, dem sie ein dreieckiges Dach aufsetzte. Beim nächsten Bild schon waren die viereckigen Außenlinien gerade und ab da malte sie nie mehr ein dreieckiges Haus. Sie hatte die Phase durchlebt und ein neuer Entwicklungsschritt tat sich auf. Ich beobachtete sie, wie sie allmählich ihr Haus erweiterte, ein Viereck rechts anhängte, das Dach verlängerte. Diese Entwicklung zog sich weitere Jahre. Sie versuchte sich in den letzten zwei Jahren mit der Parallelperspektive. Linien wurden schräg nach hinten gezogen, mit den Fenstern hat sie auf vielen Bildern gehadert, besonders mit den schrägen Dachfenstern, die wurden nicht so, aber sie blieb dran. Die Pubertät kam und die Häuser wurden weniger aber ab und zu malte sie im Malort wieder ein Haus. Heute ist sie 13 und hat mir vorgestern zu Muttertag wieder ein Haus mit Garten gemalt. Diesmal ist die Perspektive perfekt gelungen. Sie entwickelte ganz natürlich ihr Haus vom Dreieck bis zum dreidimensionalen Haus. Und das alles ohne mein Zutun, ohne Bewertung, ohne Vormalen...Man muss die Kinder nur ganz in Ruhe lassen und Vertrauen haben, dann kommt alles zu der richtigen Zeit.

 

Text von Yvonne Rebmann