Unser Umgang mit den Bildern

Bilder nicht mitnehmen zu können ist zunächst radikal. Diese Einstellung hilft besonders dem Anfänger, aber auch allen anderen Malern, wirklich frei zu malen“

Yvonne Rebmann, Leiterin vom malraum-rodgau

So erreichen wir konkret das Ziel: Ganzheitliche Entwicklung

 

Durch die Malort-Prinzipien wird eine ganzheitliche Entwicklung beim Malenden erreicht, die weit über das hinausgeht, was bei einem normalen Kunstunterricht oder Malschulunterricht stattfindet.

 

Sie wundern sich vielleicht, das vor, während und nach der Malstunde der Vorhang zum eigentlichen Malraum geschlossen ist.

Sie wundern sich vielleicht, warum jeder Malende ein eigenes Bilderfach erhält.

Sie wundern sich vielleicht, warum die Bilder nicht mit nach Hause gegeben werden.

Sie wundern sich auch darüber, dass es im Malraum keine Ausstellungen, Vernissagen etc. gibt.

 

Oft werde ich von abholenden Eltern oder Begleitpersonen gefragt, warum sie die Bilder ihrer Kinder nach der Malstunde nicht sehen können. Warum die Kinder nach der Stunde nicht die Bilder mit nach Hause nehmen können um sie dort einzurahmen und aufzuhängen. Diese Frage kommt auch manchmal von erwachsenen Interessenten.

 

Der Grund ist folgender:

Kleine Kinder sind offen und neugierig, sie lieben die Spielfreude und schaffen es, selbstvergessen im Spielprozess zu sein. Diese Gabe wollen wir den Kindern erhalten und mit unserem Malen auch den Erwachsenen wieder zurück geben.

 

Wir wollen, dass die Kreativitätsquelle jedes Einzelnen sprudelt oder wieder zu sprudeln beginnt. Viele Erwachsene erzählen mir von Situationen, oft aus der Kindheit, in der eine Bewertung stattgefunden hat, die die malerisch-kreative Spielfreude zerstört hat. 'Ich kann nicht malen' ist ein typischer Satz, den ich dann höre. Dieser negative Glaubenssatz hält bis ins Erwachsenenalter an und hält die Person ab, es einfach wieder zu versuchen.

 

Deshalb braucht der echte Krativitätsprozess vor allem eines: Freiheit vor Blicken, Kommentaren und Äußerungen. Denn dann kann der erwachsene Maler jede Phase seines verlorenen Kreativitätsprozesses noch einmal durchlaufen, übersprungene Schritte können nachgeholt werden.

 

Finden Bildbewertungen statt, egal ob positiv oder negativ, das kann schon ein übermäßiges Loben oder Hinterfragen einer Farbe sein, verlässt der Malende seinen Pfad, richtet sich nach der Meinung des Betrachters. Somit kommt er unbewußt in eine Konfliktsituation zwischen seinem natürlichen Weg und dem rationalen Abwägen von außen. Blockaden können auftreten, Kunstparodien entstehen schon im Kindesalter und die natürliche Quelle kann versiegen.

 

Das Wissen, das die Bilder wertschätzend behandelt werden und einen sicheren Aufbewahrungsplatz im Malraum haben, gibt dem Malenden eine enorme kreative Freiheit, der Malende kann auch mal eigene Grenzen überschreiten, Fehler wagen und sich so enorm weiter entwickeln.

 

Da die Bilder, die im Malraum gemalt werden erst gar nicht nach Hause kommen, helfen wir den Eltern sogar, denn sie kommen erst gar nicht in die Lage, über die Bilder zu reden.

 

Die meisten Kinder finden es tatsächlich als Erleichterung, die Bilder nicht zeigen zu müssen. Anfänglich sind sie es aus dem Kindergarten und der Schule noch anders gewohnt, im Laufe der Monate des Malens wird es aber zu einer Natürlichkeit und sie schätzen ihren Bilderschatz, der nur ihnen gehört.
Die Bilder gehören weiterhin den Malenden und können jederzeit angesehen werden, sie werden nicht vernichtet.

 

Die Wirkung davon ist

  • Selbstsicherheit und Selbstvertrauen. Sie wissen, dass Sie nicht von der Meinung anderer abhängig sind.
  • Entwicklung der eigenen Bildsprache nach individuellem Rhythmus und Tempo.
  • Urvertrauen und Unabhängigkeit
  • Erhalt der Erfahrungen als Lebensresource, auf die immer wieder zurück gegriffen werden kann.

Deshalb ist der Malraum ein Schutzraum, der den maximalen Schutz der Bilder während des Malprozesses bietet.

 

Wir wollen die Eltern oder Partner unserer Malenden aber gar nicht ausschließen.

Im Gegenteil, Eltern sollten sogar diese Malort-Prinzipien zu Hause unterstützen und Bilder, die zu Hause oder in der Schule gemalt werden, ebenfalls nicht kommentieren.

 

Eltern, die den Raum einmal betreten wollen, machen mit mir einfach einen separaten Termin aus oder kommen zum Tag der offenen Tür.

 

Eltern, die die Bildermappe ihrer Kinder einmal betrachten wollen, fragen ihre Kinder, ob sie das dürfen. Dann vereinbaren Sie einen Termin mit mir und kommen ohne ihr Kind in den Malraum. Diese Gespräche sind immer sehr wertvoll und ich ermutige Sie, die Gelegenheit zu nutzen.

 


Der Schutz der Bilder


 
Yvonne Rebmann . www.malraum-rodgau.de . Stand: 2020